Ich sitze in meinem „alten“ Haus in Brandenburg, an meinem alten Schreibtisch in einem sonst sehr leeren Raum. Nachdem ich im vergangenen Sommer meinen Umzug nach Thüringen finalisiert habe, stehen hier im Haus nur noch wichtige Dinge wie Tische, Stühle, Bett und dergleichen. Um den Kopf freizukriegen ist dieser Minimalismus eine Wohltat. Darum genieße ich es auch immer wieder, in mein altes Leben zu fahren und ein paar Tage hier im Haus zu verbringen. Freunde und Nachbarn zu treffen, gewohnte Wege im Wald zu gehen…
Diese Umgebung ist perfekt, den Jahresrückblick 2025 zu schreiben und die letzten Jahre Revue passieren zu lassen.
Inhaltsverzeichnis
Das waren meine Themen 2025
Ankommen ist ein Prozess
Es sind nun zwei Jahre vergangen, seit ich mein bisheriges zu Hause verlassen habe und in mein Elternhaus zurückgekehrt bin. Ich war so sehr damit beschäftigt, dass es 2024 keinen Jahresrückblick gab. Letztlich waren die beiden letzten Jahre derart verdichtet, dass ich sie auch jetzt gut zusammen betrachten kann.
Warum ich von Brandenburg nach Thüringen zurückgegangen bin, kannst du hier lesen.
In der Rückschau halte ich die Entscheidung für absolut richtig. Auch wenn ich in den letzten beiden Jahren nicht nur Glücksgefühle hatte, kann ich sie als durchaus positiv beschreiben. Was ich allerdings unterschätzt hatte: Ich dachte, ich geh’ „nach Hause“ und fühle mich auch zu Hause. Aber das zu Hause, das ich vor über 30 Jahren verließ, was mein zu Hause als Teenagerin. Ich war 18, als ich Thüringen den Rücken kehrte. Als Erwachsene zurückzukommen, macht einen Unterschied. Zumal ich in einen bestehenden Haushalt zurückkam und mein Hausstand in Kisten verpackt irgendwo abgestellt war. Als ich nach einem Jahr mein Geschirr in den Küchenschrank räumte, merkte ich erst, wie sehr ich es vermisst hatte. Wie sehr ich eine eigene Wohnung vermisse… Denn das Haus meiner Eltern ist mir zwar sehr vertraut, aber es ist nicht so, wie ich es mir einrichten würde. Nun denkst du vielleicht: dann räum doch um! Das ist aber nicht so einfach. Ein sehr großes Haus mit sehr vielen Räumen, die alle sehr voll sind. Jeder Raum muss renoviert werden, teils komplett mit neuer Elektrik und neuem Putz. Und was man auch nicht vergessen darf: hier lebt auch meine Mutter, es ist ihr Haus, ihr Haushalt und ihr zu Hause, in das ich nun eingreife. Also bleibt erstmal vieles, so wie es ist und auch funktioniert.
Mit den Veränderungen haben wir also im Untergeschoss angefangen, dort wo keine der privaten Räume liegen.
Mein Vater hat am 1. Mai 1991 in der leerstehenden Mühle seine Galerie eröffnet. Um dorthin zu gelangen, muss man durch unser Wohnhaus uns so wurde im Laufe der Jahre auch das Untergeschoss des Hauses Teil der Galerie. Hier befindet sich auch die Töpferei meiner Mutter und eine Wohnung, die meine Eltern früher an Feriengäste vermietet haben. Später hat mein Vater diese Wohnung verkleinert, um sich eine Druckerei einzurichten.
In den letzten beiden Jahren haben wir den gesamten Eingangsbereich, den Verkaufsraum, das Treppenhaus, die Galerie-Küche und die sanitären Einheiten komplett renoviert oder neu eingefügt. Entkernt, Elektrik erneuert, Lehmputz angebracht. Dadurch sind teils neue und vor allem im Stil ganz andere Räume entstanden. Mein Vater war ursprünglich Architekt und er liebte es, dieses Haus für sich zu nutzen, Räume in Räume zu bauen, hier einen Wanddurchbruch zu machen und dort einen Gang einem anderen Raum abzutrotzen. Ich, die Archäologin, baue das wieder zurück. Ich möchte das Haus in einen Zustand von vor ca. 100 Jahren zurückversetzen und sehen, was die Räume uns geben. Nicht umgekehrt. Vor etwa 100 Jahren wurde unser Haus von einem Mühlengebäude mit Wasserrad in ein Wohnhaus umgebaut, nachdem eine neue turbinengetriebene Mühle nebenan gebaut worden ist. Ich mag diese alten Dielenböden, ich mag die Größe der Räume. Mein Vater hat vieles verdeckt und abgehängt, weil das Haus nur Mittel zum Zweck war. Für mich wird das Haus zur Grundlage des Stils. Und – unschwer erkennbar, ich liebe Jugendstil!
Selbstwirksamkeit fühlt sich gut an
Plinz, dieser Ort soll nicht nur mein zu Hause sein, sondern ich verfolge hier auch eine Vision. Als mein Vater an Weihnachten 2022 starb, beschloss ich, sein Lebenswerk zu erhalten. Und nicht nur das, sondern auch diesen besonderen Ort, den mein Vater geprägt hat: für uns, für die nachfolgende Generation und auch für die Öffentlichkeit. Es soll ein Ort der Begegnung bleiben und sein, für Menschen, die sich für Kunst, Kultur und Kreativität interessieren. In der Galerie sollen nicht nur Bilder hängen und verkauft werden, sondern auch Kulturveranstaltung stattfinden, so wie mein Vater das jahrzehntelang betrieben hat. Bis zur Pandemie organisierte er alle drei Wochen Konzerte und Lesungen. Bevor wir wieder damit beginnen, wollte ich die Räume renovieren und sanieren.
Wir sind auch dabei, den privaten Garten wieder herzustellen. Haben den Wildwuchs der letzten 50 Jahre entnommen, begradigen den Boden, entfernen allen angesammelten Müll und legen im kommenden Frühjahr ein Lavendelfeld und eine riesige Blühwiese an. Ein befreundetes Ehepaar hat ihre Bienen seit dem Herbst hier stehen und es ist eine Freude dem Summen zu lauschen.
Dies jetzt in meiner Weise zu tun und Plinz auch im Außen als Ort zu gestalten, ist für mich zutiefst befriedigend. Es gibt mir ein Gefühl von Selbstwirksamkeit, wie ich es in meinem bisherigen Leben so noch nicht gespürt habe.
Andererseits geht damit eine unfassbar große Verantwortung einher. Ich versenke jede Menge Geld, treffe grundsätzliche Entscheidungen und weiß nicht immer, ob das richtig ist. Aber ich mache es. Ich bin fast gänzlich angstfrei und glaube an mich. Manchmal liegen auch die Nerven blank. Manchmal hab ich keine Lust mehr auf den Dreck der Baustelle. Manchmal nervt es mich unglaublich, wie langsam alles vorangeht. Das liegt aber daran, dass ich im Kopf immer schon viel weiter bin, als wir dann umsetzen können.
Von der Bildermacherin zur Künstlerin
Mit der Renovierung der Räume ging eine für mich unerwartete eigene Entwicklung einher. Ursprünglich glaubte ich, ich renoviere die Galerie-Räume für die Bilder meines Vaters. Eventuell öffne ich die Räume auch für andere Künstlerinnen, zumindest zeitweise.
Als die ersten neuen Wände fertig wurden, hängte ich dann aber ganz andere Bilder auf: meine eigenen. Dass ich selbst wieder Bilder erschaffe, hätte ich noch vor zwei Jahren nicht geglaubt. Als Teenager habe ich gemalt und gezeichnet und in meinen frühen Zwanzigern habe ich noch damit geliebäugelt, Kunst zu studieren. Es blieb dann aber bei Kunstgeschichte, Archäologie und Anthropologie. Die Archäologie war eine sehr handfeste Wissenschaft, zumal auch hier mein zeichnerisches Talent von Nutzen war. Aber kreativ war diese Arbeit nicht. Und tatsächlich ist meine Kreativität über die Jahre verschütt gegangen.
Die Fotografie, insbesondere auch die Porträtfotografie, verlangte mir ein gewisses Maß an Kreativität ab. Immer neue Situationen, auf die ich spontan reagieren musste, Lichtverhältnisse, die nicht planbar waren. Aber schlussendlich bin ich auch hier nicht gänzlich frei in meiner Kreativität. Diese Porträts sind natürlich auch nichts, was in eine Ausstellung gehört, denn es sind ganz persönliche Porträts, die in den beruflichen Kontext der einzelnen Personen gehören und nicht künstlerisch zu bezeichnen sind.
Als vor ca. zwei Jahren KI aufkam, wurde gemunkelt: Fotografen braucht man bald nicht mehr, das macht dann die KI. Da ich sehr Technik-affin bin und auch KI recht spannend finde, habe ich bald verschiedene Programme ausprobiert und zu sehen, was die können (was ich nicht kann). Und ja, KI werden Menschen nutzen, die keine Lust auf Shootings haben, die dafür kein Geld ausgeben wollen, die sich auf Fotos nicht gerne sehen. Denn die KI kann (Stand heute) wirklich beeindruckend täuschend ähnliche Bilder von einem erstellen, wenn man ihr ein paar durchschnittliche Selfies zur Verfügung stellt. Aber in meinen Augen sind diese Bilder eben nicht echt. Wenn sie nicht als „mit-KI-erstellt“ gelabelt sind, dann sind das einfach Täuschungen. Außerdem entgeht den Nutzern solcher KI-Bilder auch das Erlebnis Shooting. So ein Shooting macht ja auch was mit einem, auch wenn es außerhalb der Komfortzone liegt, sich einer Kamera auszusetzen. Aber das ist mal noch ein eigenes Thema für einen Blogartikel.
Ein Programm hat mir besonders Spaß gemacht: Midjourney. Nachdem ich hier recht vergeblich versucht hatte, gute Porträts zu generieren, habe ich aus Neugier meine Prompts abgewandelt und absichtlich weniger realistische Porträts und Bilder erzeugt. Und ehe ich es mich versah, war ich in einem Rausch. Anfang wurde mir sogar schwindelig, wenn ich zu lange davor saß, die Möglichkeiten und die Geschwindigkeit sind schwer zu begreifen.
Ich habe wirklich sehr viel ausprobiert. Und je länger ich mit dem Programm gearbeitet habe, umso einfallsreicher wurde ich. Für alle, die noch nie mit einem solchen Tool gearbeitet haben: Man beschreibt in einer Art Chat mit Text, bestenfalls auf Englisch, das Bild, das man im Kopf hat. Und je genauer der Text ist, umso stärker ähnelt das Bild (oder die Bilder) dem im Kopf. Die KI baut komplett neue Bilder aufgrund von Wahrscheinlichkeiten. Mit verschiedenen Parametern kann man den Stil des Bildes beeinflussen. Jedes Bild gibt es nur ein einziges Mal und selbst mir ist es nicht möglich, mit dem gleichen Prompt das gleiche Bild zu erzeugen. Mitnichten ist es so, dass sich die KI in einer Datenbank bedient und mir Bilder vorlegt, die jemand anderes gemacht hat. Diese Bilder gibt es nur, weil ich sie beschrieben habe. Die KI ist mein Werkzeug, so wie andere den Pinsel oder die Kamera benutzen.
Dass auch andere diese Bilder mögen könnten, auf den Gedanken bin ich erst nach einer Weile gekommen. Probeweise habe ich im Sommer ´24 einige Bilder ins Regal im Eingangsbereich gestellt. Und verkauft. (Natürlich lasse ich niemandem in Unklaren darüber, wie meine Bilder entstanden sind.)
Mir wurde klar, dass die neuen Wände in den renovierten Räumen meine sein werden. Und so hielten meine Bilder Einzug in die Galerie. (Keine Sorge, ich habe die Bilder meines Vaters nicht verdrängt, die Galerie ist sehr groß…)
Was für mich wirklich essenziell an diesem Schritt war: Ich mache die Galerie auch zu etwas eigenem und bleibe nicht nur die Nachlassverwalterin des Erbes meines Vaters.
Denn das ist die große Herausforderung an dem Schritt, den ich gegangen bin: Ich will nicht einfach das Leben meines Vaters weiterleben. Dieser Ort soll durch mich weiter existieren, aber eben auch auf meine Weise.
Mein Fazit 2025
Worauf bin ich 2025 stolz?
Dass wir den Kunst- und Kulturpreis des Saale-Holzland-Kreises gewonnen haben. Und zwar den ersten Platz. Wir waren vielleicht überrascht! Weil wir gar nicht wussten, dass wir nominiert wurden. Es ist natürlich in erster Linie ein Preis für das Lebenswerk meines Vaters, aber wir sehen ihn auch als Anerkennung dessen, was wir in den letzten Jahren geschafft haben.
Was waren die besten Entscheidungen, die ich 2025 getroffen habe?
Definitiv: Die Öffnungszeiten von täglich auf das Wochenende zu reduzieren.
Ein Prinzip, das meine Eltern gelebt haben: Plinz, der Skulpturengarten und die Galerie ist täglich und JEDERZEIT geöffnet. Sie waren also jederzeit verfügbar. Die Begründung: Wer sich schon die Mühe macht und den beschwerlichen Weg nach Plinz nimmt, sollten auf keinen Fall vor verschlossenen Türen stehen, der kommt sonst nie wieder.
Das mag auch für die Anfänge vor 30 Jahren gestimmt haben. Außerdem war mein Vater eh eigentlich immer da und hat im Sommer meist im Garten gearbeitet und damit war er eben auch verfügbar.
Als ich 2023 entschieden hatte, dass ich zurückkomme, fand ich es schon sehr mutig, zumindest die Galerie-Öffnungszeiten auf täglich von 13-18 Uhr zu reduzieren, sodass der Vormittag theoretisch für andere Dinge wie Termine außerhalb von Plinz frei war. Der Garten blieb rund um die Uhr geöffnet, was uns auch nächtliche Besucher bescherte – und, wenn das vorkam, ein sehr unangenehmes Gefühl.
Aber auch die eingeschränkten Galerie-Öffnungszeiten führten trotzdem dazu, dass wir nur sehr wenig Zeit fanden für die Dinge, die wir eigentlich erledigen mussten. Man konnte jederzeit aus seinem Tun gerissen werden. Diese ständige Verfügbarkeit und an den Ort gebunden sein waren für mich sehr herausfordernd.
Im Sommer 2025 war ich nahezu verzweifelt mit der Situation: Täglich kamen viele Menschen, die den Garten besucht haben und dann eben auch nochmal in die Galerie schauen wollten. Viele dieser Besucher nutzten Plinz aber vorrangig als kostenloses Ausflugsziel, das sie fast ausschließlich durch das Display ihres Smartphones wahrnahmen. Weniger, weil sie die Ruhe in Plinz genießen wollten oder was für Kunst übrig hatten. Durch die täglichen Öffnungszeiten und freien Eintritt haben wir eine bestimmte Art von Besuchern angezogen, die sich meist mit den Worten zu erkennen gaben: „Oh, diese Straße ist wirklich katastrophal, komme ich über eine andere Straße wieder weg?“ Also ob wir etwas für den Zustand unserer Zufahrtsstraße könnten.
Viele der Besucher konnten nur das wahrnehmen, was nicht perfekt ist. Es gab Bewertungen bei Google, die mich wirklich geärgert haben. Sowas wie: „Ein interessanter Ort, leider ganz schön in die Jahre gekommen.“ Nichts weiter. Was sollen denn wir oder Leser dieser Bewertung damit anfangen??
Wir kamen außerdem mit unserer Baustelle im Haus nur langsam voran. Die Besucher der Galerie mussten über ein Jahr lang ein Treppenhaus mit herunterhängenden Kabel, bröckelndem Putz und Staub durchqueren, was gefühlt 95 % den Satz aussprechen ließ: „Oh, das ist aber noch viel Arbeit!“ – ICH WEISS!
Wir kamen in Erklärungsnot. „Ja, wir sind am Sanieren, ja, vieles ist noch im Werden und nicht so, wie wir es haben wollen, ja, wir sehen auch, was noch zu machen ist …“ Nein, sich zu erklären hat sicher keiner erwartet, ist aber irgendwie trotzdem so gekommen.
Ich hatte es satt. Auch wenn es natürlich auch die anderen Besucher gab, die mit denen man sich gern unterhält, die nicht nur ihre Geschichten loswerden wollen („…die Nichte vom Cousin meines Nachbarn, die malt auch Bilder…“), sondern wirklich an uns interessiert sind, die den Ort spüren können und inspiriert wieder nach Hause fahren. Solche, die sich spontan in eine Bild verliebt haben und ohne das nicht mehr nach Hause wollten. Die, die seit Jahrzehnten nach Plinz kommen und die berührt sind vom Werk meines Vaters.
Die Mehrzahl der Besucher haben mir aber die Energie geraubt. Geb ich jetzt mal hier ganz offen zu, auch wenn das bestimmt geschäftsschädigend ist.
Pfingsten war besonders herausfordernd. Und in diesen Tagen sind Gedanken gereift, die ich mir früher nicht erlaubt habe: Ich möchte die Menschen loswerden, die ich nicht in Plinz haben will. Die Nörgler, die eigentlich auf Karls Erdbeerhof besser aufgehoben sind. Früher habe ich eher überlegt: Wie ziehe ich die richtigen Menschen an? Das aber auch von der anderen Seite zu betrachten, fand ich außerordentlich. Ich fragte meine Mutter, was wäre, wenn wir die Öffnungszeiten drastisch reduzieren. Zu meiner Überraschung ging sie den Weg dieses Gedanken mit. Und tatsächlich kamen wir zu dem Schluss, dass wir diese Entscheidung treffen dürfen. Auch auf die Gefahr hin, Menschen damit vor den Kopf zu stoßen. Ja, UM sie vor den Kopf zu stoßen.
Seit dem Sommer ist Plinz also nur noch am Wochenende frei zugänglich und wir haben damit die Hoheit über unseren privaten Lebensraum zurückbekommen.
Wer trotzdem gern wochentags kommen möchte, darf das in den meisten Fällen, Voraussetzung ist jedoch, dass man sich persönlich bei uns anmeldet. Damit wird Plinz nicht mehr als öffentlicher Park wahrgenommen, sondern wieder als ein privater Ort, der auch von uns privat erhalten und gepflegt wird, den wir an wenigen Tagen oder auf Anfrage mit der Öffentlichkeit teilen.
Und ja, es gab weniger Verkäufe in der Galerie, weil auch die spontanen Käufer seltener kamen. Damit fiel auch Einkommen weg.
Aber es hat uns so viel mehr Lebenszeit verschafft. Wir haben nun Ende des Jahres unsere Baustelle im Treppenhaus sogut wie fertig bekommen. Und, was ich ganz bemerkenswert finde: es hat sich Raum und Zeit ergeben, um neue Formate ins Leben zu rufen. Seit September biete ich unter der Woche Kreativ-Workshops an. Dafür war früher gar keine Zeit. Außerdem haben wir nun die Möglichkeit, Räume der Galerie oder auch den Skulpturengarten unter der Woche an geschlossene Gesellschaften zu vermieten, wie z.B. für kleine Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern.
Und ich hatte mehr Zeit zum Nachdenken und zum Ideen-entwickeln.
Was habe ich 2025 über mich selbst gelernt?
Meine Gesundheit ist mein höchstes Gut.
Von mir ist mittlerweile sehr viel abhängig, auch ob es gelingt, Plinz am Laufen zu halten. Oder auch, wie meine Mutter ihren letzten Lebensabschnitt verbringt.
Das macht mir manchmal Angst.
Seit ich vor ca. 3 Jahren die ersten Symptome der Wechseljahre zu spüren bekommen hatte, saß ich öfter in Wartezimmern von Ärzten als in meinem gesamten bisherigen Leben. Fühlt sich zumindest so an. Plötzlich hab ich ständig irgendwas. Also dämmerte mir: das wichtigste ist meine Gesundheit. Wenn ich gut altern möchte und solange wie möglich selbst unabhängig sein will, muss ich was tun! Vor 1,5 Jahren hab ich mich im Mara-Studio angemeldet: EMS-Training für die Muskeln. Sehr effektiv. Nach langen Behandlungszeiträumen in der Physiotherapie (wegen Frozen Shoulder) war mir klar: mit Termin geh ich da hin. Darum wäre ein normales Fitnessstudio nix für mich, da werde ich ne Karteileiche… Aber im Mara-Studio wartet der Trainer auf mich und außerdem ist es ganz schön teuer. Das ist ein starker Antrieb, das durchzuhalten. Zeitgleich habe ich eine neue Ernährungsform für mich gefunden: Keto bzw. auf Dauer Low-Carb. Im Mittelpunkt steht dabei der Verzicht auf Kohlenhydrate, was mir (meistens) besser gelingt, als ich es für möglich gehalten hätte. Früher war ein Leben ohne Nudeln undenkbar…
Außerdem habe ich mir eine Ärztin gesucht, die mittels Blutanalysen genau benennen kann, welche Nährstoffe meinem Körper fehlen, sodass ich gezielt supplementieren kann. So stärke ich mein Immunsystem.
Mein Schlaf hat sich wieder verbessert, auch wenn ich nicht durchschlafe, schlafe ich meistens aus. Wenn ich zu wenig Schlaf bekomme, läuft der Tag oft nicht gut. Ich hab einfach akzeptiert, dass ich jetzt mehr Schlaf brauche als früher. Mehr Schlaf hilft mir bei meiner Stressregulierung, das krieg ich am Tage leider noch nicht so gut hin.
Wenn ich jetzt wieder in meine Jogging-Routine komme, bin ich sehr froh. Klappt 2026 bestimmt!
Welche wichtigen Lektionen hat mir 2025 mitgegeben?
Ich darf meine Glaubenssätze immer wieder überdenken. Wir erzählen uns immer wieder Geschichten, die wir dann glauben. Warum etwas so ist und nicht geändert werden kann. Ich bin eben so, daran ist nichts zu rütteln. Ich bin dafür nicht geeignet, hab es schon x-mal versucht… Kennst du, oder?
Seit ich weiß, dass ich nicht alles glauben darf, was ich denke, habe ich schon viele Male meine Glaubenssätze überprüft. Und immer wieder entdecke ich etwas, was ich für unumstößlich halte. Das ist immer wieder überraschend. Besonders, wenn ich es dann verändere. Dann macht es Klack im Getriebe und wie beim Kaleidoskop entsteht ein neues, ganz zauberhaftes Bild.
Ein solcher Gedanke war: „Ich höre jetzt mal auf, neue Bilder zu machen, ich hab eh schon viel zu viel in der Galerie hängen und die Leute sind überfordert.“ Das stimmte schon, aber es lag auch daran, dass ich noch nicht wusste, wohin ich mit meinen Bildern will. Ich habe mich in so viele verschiedene Richtungen ausprobiert und Bilder unterschiedlichster Genre generiert und auch ausgestellt, dass ich mich schlicht als Bildermacherin bezeichnet habe. Ist das Kunst? Keine Ahnung.
Nach dem letzten KI-Bilderworkshop im November bin ich (glücklicherweise) wieder „schwach“ geworden. Stundenlang saß ich vor Midjourney und habe Bilder erschaffen. Und plötzlich hat sich der Vorhang gelichtet: Mir wurde klar, welche Art von Bildern ich wirklich, wirklich berauschend finde. Ich habe meine Handschrift gefunden. Es sind Arbeiten, die ich unter dem Titel „Unter der Oberfläche“ zusammenfasse und die tief in meiner archäologischen Sichtweise verankert sind, Dinge freizulegen und mehr wahrzunehmen als die äußere Schicht. Es sind Bilder, die aus Texturen, Schichten, Brüchen und Linien und Mustern bestehen. Vorherrschende Farben sind Petrol/Blau und Orange, gepaart mit Gold, immer in unterschiedlichen Lautstärken, sodass immer eine andere Energie entsteht.
Ich habe für mich gelernt: Fotorealistische Bilder, die mit KI erzeugt sind, sind zwar faszinierend, aber eben so wie Fotos. Perfekte Bilder, wie aus Stockfoto-Datenbanken.
Aquarellistische Bilder, die mit KI erzeugt wurden, sind sehr hübsch, aber sie sehen aus wie Aquarelle. Das ist nichts, was man noch nicht gesehen hat, nichts, was rechtfertigt, ein Werkzeug wie KI zu nutzen. Nicht dass ich das jetzt verurteile, nein, es macht Spaß, solche Bilder zu erzeugen. Aber es ist nicht (mehr) das, was ich mit diesem Werkzeug machen will. Ein Foto darf gern weiterhin aus der Kamera kommen und ein Aquarell aus dem wässrigen Pinsel. Das finde ich authentischer. Bilder dieser Art werden 2026 keinen Platz mehr in der Galerie haben.
Die Bilder, die gerade in diesen Tagen entstehen, sind solche, wo man etwas fühlt, bevor man versteht. Solche, wo nicht ersichtlich ist, wie das gemacht ist oder wo man das einordnen soll. Solche, die eben nur mit diesem tollen neuen Werkzeug möglich sind.
Vor allem sind es Bilder, die mir das Selbstvertrauen geben, mich auch als Künstlerin zu sehen. Das ist neu und ich finde das mutig. Weil ich mich damit auch Kritik und Ablehnung oder Spott aussetze. „Bildermacherin“ war da schön unverfänglich.
Aber statt Angst zu haben, freue ich mich unbändig auf die ersten (großformatigen) Drucke, die im Januar in die Galerie einziehen werden. Keine Ahnung, ob das jemand kauft. Aber ich steh’ 100% dahinter. Zur Not häng’ ich sie mir mal alle in meine Wohnung, weil ich sie einfach toll finde.
Wofür bin ich 2025 besonders dankbar?
Ich bin nicht allein.
Ich habe das große Glück, mich mit meiner Mutter sehr gut zu verstehen. Uns trägt eine gegenseitige große Liebe und die Entschlossenheit, dass wir beide gut in Plinz zusammen leben wollen. Wir reden sehr viel miteinander, sind glücklicherweise meistens im absoluten Konsens oder können uns so lange austauschen, bis die optimale Lösung da ist. Ich bin dankbar, sie zur Mutter zu haben.
Und ich bin dafür dankbar, Bara mir nah zu wissen. Ich bin dankbar, dass Nicole, Karin, Anke, Anja, Julia und Gesine über alle die vielen Jahrzehnte treue Wegbegleiterinnen sind, mal näher, mal aus der Ferne.
Danke Dominika für unsere wöchentlichen Treffen, den Austausch, die Motivation, die konstruktiven Feedbacks!
Außerdem gibt es Freunde und Unterstützer in Plinz. Nicht nur neue Kontakte, sondern auch solche von früher, die heute tragen. Hilfe, wenn ich sie brauche: Unsere fabelhaften Nachbarn, Jörg, Robert, Marion, Micha, Norbert, Christian, Achim, Aimé, Anke, Swen, Isabell, Susi, Caro, Evi, Karola, Dietmar… Dafür bin ich sehr dankbar.
Ich bin auch dankbar für die Zeit und den Austausch, den ich über ein paar Jahre mit Irina hatte. Das war bereichernd und oft tiefgründig. Aber manchmal muss man Menschen gehen lassen. Was bleibt, ist ein liebvolles Gefühl.
Was tat mir wirklich gut 2025?
Auszeiten. Ein Kurzurlaub in Zinnowitz, als ich 50 wurde (und gleichteitig meinen Online-Kurs gelauncht hab… was das aufregend!).
Ein Kurzurlaub in Nonnevitz, dem Campingplatz meiner Kindheit und Jugend. Ich kann dort – und nur dort – sofort in einen totalen Entspannungsmodus verfallen: Bücher lesen, Kaffee trinken, schlafen, baden… Mega. Hab für nächsten Sommer gleich ein paar Wochen gebucht.
Und immer wieder nach Brandenburg, nach Liebenberg zu fahren, das tut gut. Die vertraute Umgebung, die Menschen hier, die Badeseen… Immernoch ein ganzes Stück Heimat im Herzen.
Was waren meine größten Herausforderungen in 2025?
Die Dauerverfügbarkeit in Plinz war eine meiner größten Herausforderungen. Aber das habe ich gelöst.
Keine eigene (abgeschlossene) Wohnung zu haben, ist schwierig. Das wird sich noch lösen. Manches braucht Zeit.
Was ist 2025 richtig gut gelaufen?
Neues Format: Kreativ-Raum
Auf dem Weg meiner Vision bin ich schon ein ganzes Stück voran gekommen. Auch wenn wir 2025 noch keine Kulturveranstaltungen hatten, obwohl ich das schon formuliert hatte, habe ich im September mit einem eigenen neuen Format begonnen: Kreativ:Raum genannt. Das sind Workshops in Präsenz in Plinz, um mit Menschen kreativ zu arbeiten. In den ersten Workshops ging es um Smartphone-Fotografie, Porträt-Fotografie und KI-Bilderstellung. Das hat richtig viel Spaß gemacht, obwohl ich auch aufgeregt war. Und es ist leichter für mich als die großen Veranstaltungen, wo ich definitiv Unterstützung brauche in der Vor- und Nachbereitung. Die Workshops haben eine begrenzte Teilnehmerzahl. Mit 6 Personen funktioniert es am besten.
Ich hab auch hier wieder viel gelernt. Learning Nr. 1: Überfordere die Menschen nicht! Ich will immer alles! Hab mein gesamtes Wissen ins 3 Stunden Workshop gepresst. Geht natürlich nicht. Nächstes Jahr wird es Anfänger- und Fortgeschrittenen-Workshops geben. Punkt.
Was ist nicht so gut gelaufen?
Shootings
Was definitiv auf der Strecke geblieben ist in den letzten beiden Jahren: meine Fotografie. Ich hatte sehr wenige Shootings und sogut wie keine Präsenz in Social Media.
Ich habe es auch nicht geschafft, regelmäßig Newsletter (für die Fotografie) zu schreiben oder Blogartikel. Dabei habe ich so viele Ideen in meinem Kopf, dass ich letztes Jahr sogar ein Buch schreiben wollte…
Es war schlichtweg keine Zeit. Ich musste mich entscheiden, was ich bewältigen kann. Denn neben der Renovierung, dem laufenden Galeriebetrieb, dem Pflegen des Skulpturengartens meines Vaters versuche ich auch, sein Werk zu erfassen und zu inventarisieren und einen Online-Shop auf die Beine zu stellen. Außerdem sortiere ich mit meiner Mutter den Inhalt dieses großen Hauses und strebe nach dem Weniger. Alles muss weniger werden.
Was lasse ich im Jahr 2025 zurück und nehme es nicht mit in 2026?
Die Phase: „Es geht weiter in Plinz“ ist zu Ende. Sehr deutlich spürbar. Als mein Vater an Weihnachten 2022 starb, war das das Signal, das wir nach außen gegeben haben: Es geht weiter. Plinz geht nicht mit Jochen Bach unter. Vieles lief einfach möglichst genauso weiter. Nur, dass uns eine entscheidende Arbeitskraft gefehlt hat.
Wir sind nun definitiv in einer neuen Phase angekommen, in der es nicht mehr nur darum geht, Grundlagen für weiteres zu schaffen.
Und mich zu erklären, bleibt ebenfalls in 2025.
Ausblick 2026
Ein besonderes Fotoprojekt
Ich freu mich auf ein richtig tolles Projekt. Im Sommer war die Künstlerin Steffi-Babett Wartenberg in Plinz und erzählte mir von dem Netzwerk WAW – Woman Art Weimar. Ein Verbund von mittlerweile 17 Künstlerinnen aus ganz Thüringen, die in Weimar auch zusammen eine Galerie betreiben. Das Netzwerk haben Susen Reuter und Larissa Böhler ins Leben gerufen. Ich hatte spontan die Idee, diese Frauen zu unterstützen: mit Porträtfotos. Frauen in die Sichtbarkeit zu begleiten, ist mir eh eine Herzensangelegenheit. Dass es nun auch Kunstschaffende sind, macht die Sache für mich absolut rund. Also werde ich im Januar und Februar sehr beeindruckende Künstlerinnen porträtieren.
Und damit hat sich wie von allein auch mein Fokus in der Porträt-Fotografie geschärft: Ich möchte vorrangig Kunst- und Kulturschaffende in Thüringen in ihren Ateliers und Studios fotografieren, damit sie professionelle Presse- und Brandingfotos haben für Website, Ausstellung und Förderanträge. Es ist mir im Moment lieber, durch Thüringen zu fahren und mein Heimat-Bundesland kennenzulernen, als quer durch Deutschland, wie bisher.
Online-Kurs "Zeig dich!" startet wieder
Nachdem der Online-Kurs zuletzt im April 25 mit meiner Begleitung lief, startet der nächste begleitete Durchgang jetzt bald: Anfang Februar. Du lernst, wie du Selbstporträts und Selfies von dir machst, die dein Business stärken. Und ganz nebenbei dein Selbstvertrauen. Vorausgesetzt, du setzt um, wirst du am Ende des Kurses einen Pool an Fotos von dir haben, die du gezielt für dein Business nutzen kannst, um 2026 endlich sichtbar zu werden! Interesse? Dann komm hier aus die Warteliste!
Saison-Start der Galerie in Plinz mit neuen Bildern
Wie oben schon beschrieben, werden im neuen Jahr andere und vor allem auch großformatige Bilder von mir hängen. Und es wird eine weitere Ausrichtung geben, die ich aber gerade noch entwickle und wovon hoffentlich im nächsten Jahresrückblick berichten werde.
Und wahrscheinlich wird es einen Online-Kurs geben, wie man kreativ mit KI arbeitet.
Plinz wird Begegnungsort für Kunst, Kultur und Kreativität
Nachdem wir die fundamentalsten Baustellen abgeschlossen haben, wird es in 2026 endlich auch wieder Kulturveranstaltungen in Plinz geben. Der erste Termin steht schon.
Daneben werden Workshops weiter laufen und sicher noch das eine oder andere Format, damit Plinz ein lebhafter Ort der Begegnung wird.
Wenn du Interesse hast, an meinem Leben in Plinz angeschlossen zu bleiben, dann abonniere gern den Newsletter unter plinz.de. Ich schreibe dort wirklich sehr regelmäßig jeden Monat eine E-Mail darüber, was es bei uns Neues gibt, wie wir leben, so nah an der Natur, ein bisschen Familien – oder Ortsgeschichte, Veranstaltungen, Workshops… Also Dinge, die auf dieser Website, außer im Jahresrückblick keine Rolle spielen.




